Konzert geht beinahe im Buehnensturm unter

Abidjan-Koumassi, den 24. Juni 2008

Ein Konzert fuer die Kinder. Am letzten Samstag sollte es wieder so weit sein. Ein Konzert hoert sich ja ganz nett an, doch ist mir, wenn ich diese Ankuendigung hoere, nicht ganz wohl dabei.

Das letzte Konzert war statt Vergnuegen eher eine Leidensprozedur gewesen. Um acht Uhr morgens sollte es anfangen, um elf nach diversen Raumwechseln begann es endlich. Die Kinder schliefen waehrend der Veranstaltung ein.

Nun also wieder eine Vorstellung fuer unsere Kinder. Doch meine Befuerchtungen hinsichtlich der Verspaetung loesten sich Luft aus. "Das Konzert fuer die Kinder Abidjans in schwieriger Situation" fing beinahe puenklich - mit akzeptablen 20 Minuten hinter der Zeit - an. Ein guter Beginn, doch das sollte nicht so bleiben.

Wer dieses Konzert auf die Beine stellte und warum? Es ist der Zusammenschluss aller Organisationen Abidjans, die mit Strassenkinder - abgemildert gesagt "Kinder in schwieriger Situation" - arbeiten. Nun, da die grossen viermonatigen (!) Sommerferien beginnen, sollte ein Abschlusskonzerten mit einigen halbwegs beruehmten Buehnenstars das Jahr abrunden.

Die ersten Gruppen liessen sich auch ganz nett anhoeren und jeder hatte seinen Platz, jeder Besucher, ob klein oder gross wie ich, bekamen ein rotes T-Shirt, das in grosses Lettern gegen die Anwerbung von Kindersoldaten warb. Ich hatte gedacht, dass meine Befuerchtungen sinnlos waren und ich mit den Kindern einen passablen Nachmittag verbringen wuerde.

Nichts da! Denn, wenn schon das Konzert puenktlich beginnt, muessen eben die Zuschauer sehr unpuenklich sein, um das afrikanische Klischee vom "Dauerzuspaetsein" zu bestaetigen. Somit kamen einige Gruppen eine schoene Stunde zu spaet und fanden keinen Platz mehr. Aber die Kinder setzten sich einfach auf den Boden vor der Buehne, doch irgendwann bot auch der Boden keinen Platz mehr. Es wurde unruhig in der Menge.

Irgendwann, in der Mitte des Konzertes, wurde dann DJ Bonbon angesagt. DJ Bonbon? Wieso traegt der denn diesen Namen? Die Antwort kam zugleich: Als er zu seinem Playback-Song seinen Mund oeffnete, um so zu tun, als saenge er, steckte er seine Hand in die grosse Manteltasche und brachte viele bunte Bonbons heraus, die er in die Luft warf. Das zog dummerweise aber die Kinder an, wie ein Magnet das Eisen. Viele, viele Kinder - zum Glueck nicht die Unsrigen - rannten auf die Buehne und haetten beinahe den "Star" unter sich begruben. Die Playback-Musik musste abgestellt werden, die Kinder wurden von der Buehne verscheucht, durch die Moderatorin belehrt. DJ Bonbon begann von Neuem - diesmal ohne Bonbon-Regen.

Die Kinder liessen sich aber von der Belehrung der Moderatorin nicht beruhigen. Als ein vermeintlich grosser Star - ich kenne ihn natuerlich nicht, aber alle anderen pflippten aus - seinen Chanson zum Besten gab, rannten die Kinder - Gott sei Dank, mal wieder nicht unsere - auf die Buehne. Die Musik wurde wiederum abgestellt, doch es war schon zu spaet.

Die Kinderhorde hatte schon die Dekoration, die aus bunten Luftballons und Schleifen bestand, von der Wand und der Buehne gerissen und erfreuten sich lautstark ueber ihre Beute.

Lange dauerte es, bis die wilde Kindermenge beruhigt, ermahnt wurde, auf ihren Plaetzen zu bleiben, egal was auf der Buehne geschehe oder wer sie betrete. Wenn dieses noch einmal passiere, so wurde hinzugefuegt, muesse das Konzert - "Das wir fuer euch vorbereitet haben!" - abgebrochen werden.

Das kam an. Die letzten Lieder wurden nun ohne Geschrei und wilde Turbulenzen entgegengenommen, so dass das Konzert ruhig und ohne Dekoration zu Ende gehen konnte.

24.6.08 16:03

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