Malaria verdirbt den Rebellenurlaub

 Abidjan-Koumassi, den 17. Juni 2008

Da hat sie mich doch noch gepackt.

Ich hatte eigentlich gedacht, die Malaria wuerde mich verschonen, doch gerade wenn man denkt, dass die Gefahr vorbei sei und man nicht mehr erkranken werde, kommt sie so ploetzlich und unverhofft. Gerade in Korogho, im Rebellengebiet, musste sie ueber mich kommen. Unpassender ging es nicht mehr.

Denn in Korogho, hoch im Norden der Côte d'Ivoire, im Bereich der bruehenden Savanne, haben noch die Rebellen das Sagen. Sie kontrollieren dort noch das Tagesgeschehen, bereichern sich an die durchfahrenen LKW-Ladungen und lassen Nachrichten aus dem Sueden kaum zu den Bewohnern des Norden durchdringen. Leider gibt es aber somit auch kaum Medikamente in der Stadt und das wurde mir  fast zum Verhaengnis. Denn ich brauchte bei 40-Grad-Fieber dringend die Praeperate gegen Malaria und es schien fast so, als waeren sie in der Stadt ausverkauft.

Ein Pater suchte fuenf Apotheken auf, die meisten waren geschlossen und die, die offen waren, hatten keine Medikamente gegen Malaria. Doch endlich die sechste hatten noch einige Packungen uebrig. Da hatte ich noch einmal Glueck gehabt.

Eigentlich wollte ich in Korogho nur das salesianische Projekt besuchen. Ich fuhr also mit einem Pater die 600 Kilometer hinauf ueber die leicht holperige, aber immerzu geteerte Strasse. Die Landschaft veraenderte sich von hochtropisch bis zur trockener Savanne, von hohen saftig gruenen Baumtuermen zu knochrigen kleinen Zitronenbaeumchen, von feuchten 28 zu heissen 38 Grad. Korogho ist aber noch immer in der Hand der Rebellen. Sie stellen dort den Buergermeister, sind dort fuer die Sicherheit zustaendig (obwohl sie sich darum nicht kuemmern und es immer wieder Ueberfaelle und Einbrueche gibt) und bauen ueberall in der Stadt grosse Haeuser - fuer sich selbstverstaendlich. Sie haben durch den Krieg gut Kasse gemacht.

Die Don-Bosco-Salesianern koennen trotz allem sehr gut leben in der Stadt. Sie sind hoch angesehen, da sie ein Gymnasium unterhalten, das einen sehr guten Ruf geniesst. Ich besuchte also in den ersten Tagen die Schule, einige Doerfer und dieser ganze Trubel, schon allein die 600-Kilometer-Anreise Abidjan-Korogho, der Klimawechsel provozierte wohl, dass ich mich am dritten Tag ziemlich elendig fuehlte. Erst dachte ich an eine kleine harmlose Grippe. Jedoch als mir abends das Fieber-Thermometer 39 Grad Koerpertemperatur anzeigte, ich kaum etwas essen konnte, war klar: Das ist Malaria!

Leider wollte die Temperatur in den naechsten Tagen nicht mehr sinken. Morgens ging es mir verhaeltnismaessig gut mit 38 Grad, doch abends wollte ich nur noch ins Bett. 40 Grad, da laesst man auch die EURO-Fussballspiele sausen.

Der Entschluss war schnell gefasst. In Korogho kann ich nicht bleiben. Das oertliche Krankenhaus hatte kaum Aerzte, die hohen Tagestemperaturen von knapp 40 Grad schadten nur meiner Gesundheit und die Apotheken verkauften kaum hilfreiche Medikamente gegen die Malaria. Also fuhr mich ein Pater aus Korogho 350 Kilometer bis in die Hauptstadt Yamoussoukro, wo ich schon von Pater Albert, der extra aus Abidjan angereist war, in Empfang genommen wurde, um die letzten 250 Kilometer in seinem Auto zurueckzulegen.

Nach dieser langen und ueberstuerzten Rueckreise ging es mir zwar in Abidjan fast noch elendiger. Doch die hiesigen Medikamente schienen anzuschlagen, das frischere Klima liess mich besser atmen und schon nach wenigen Tagen war die Malaria urploetzlich verschwunden. Abidjan hatte mich geheilt.

Nun nach knapp einer Woche ueberstuerzter Heimkehr von Korogho denke ich, dass es sehr schade war, dass ich nicht alles im Norden bedingt durch die Krankheit sehen konnte. Gerne waere ich noch den 1000 Meter hohen Berg "Mont Korogho" hochgekraxelt, doch in solchen Belangen ging die Gesundheit einfach vor.

Positiv gesehen: Auch wenn ich nicht noch einmal Malaria haben moechte, hat es einen guten Aspekt. Nun kann ich Zuhause erzaehlen, dass ich SIE gehabt habe. Nun bin ich afrikanisch getauft, wie die Patres hier sagen. Nun gehoere ich wirklich dazu - zur Gruppe der Malaria-Gehabt-Haber.

17.6.08 16:21

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