Des Bischofs Besuch und eine nette Attacke

Abidjan-Koumassi, den 24. Mai 2008

Bischoeflicher Besuch am Mittwoch im Kinderheim: Der Bistumschef von Abidjan-Grand-Bassam wollte uns und die Kinder kennen lernen und stattete dem "Foyer Magone" einen Besuch ab. Hoert sich nun nicht ganz so spannend an, ein Bischofsbesuch in Deutschland ist zwar auch nicht ganz alltaeglich, doch so dermassen aufregend, dass man darueber schreiben sollte, ist es auch wieder nicht. Aber ich bin in Afrika und hier ist es vor allem in kirchlichen Angelegenheit bisweilen wie noch in der Heimat vor hundert Jahren. Ein Bischof besitzt noch die volle Autoritaet und wenn der zu Besuch kommt, unsere Pfarrei, das Kinderprojekt besichtigt, dann ist jeder und alles auf den Beinen, um seine Exzellenz Paul (der Nachname ist mir leider schon wieder entfallen) die Ehre zu erweisen.

Ausserdem muss ich hinzufuegen, dass er ein Spross einer sehr elitaeren Familie der Cote d'Ivoire ist: Sein aeltester Bruder ist Praesident der Westafrikanischen Zentralbank, sein etwas juengerer Bruder Staatsminister fuer Wiedervereinigung und Frieden und sein Cousin ist kein Geringerer als der ivorische Staatspraesident und "Uebervater" Laurent Gbagbo. Also war die Anspannung im Kinderheim fuehlbar, als wir auf seine Visite warteten. Leider nahm das Warten kein Ende. Wir warteten und warteten und warteten. Vertrieben uns die Zeit mit Monopoly, Scrabble und Co. und schwupps, war der Morgen des Wartens schon fast vorbei: 11 Uhr und er war noch nicht da.

Warum? Der Bischof haelt gerne lange, ausschweifende Reden. Er hatte sich demnach  lange und redsam in der Gemeinde bei einer Versammlung aufgehalten. Doch dann war er da. Der Bischof! Seine Exzellenz! Die Spiele wurden in der Hektik - man wollte ihn ja nicht mit dem Aufraeumen dummer Gesellschaftsspiele aufhalten - geschwind in die Nebenraeume versteckt.

Zum Wohle unserer Kinder zog sich seine Rede nach der Vorstellung des Heims nur ueber zehn Minuten. Da war er noch sparsam mit seinen Worten. Als er ging, erlaubte sich natuerlich kein Kind, - ganz im Gegensatz zu ihren Gewohnheiten, wenn Besucher im Heim sind - den Bischof auszufragen oder gar zu beruehren. Ausser: Kader, unser kleiner Junge, der unter Epilepsie leidet und deswegen ein wenig zurueckgeblieben scheint. Als der Bischof seine Rede hielt, schien es fuer Kader auch nicht unhoeflich, wilde Worte wie "Mama" oder "Papa" durch den Raum zu rufen. Deswegen war es nun ein Leichtes fuer den kleinen Jungen, den hochangesehnen Bischof, der schon seit Jahren an der Grand-Bassamer Kirchenspitze steht, an der Huefte zu umarmen, festzudruecken und laut "Papa, Papa" zu sagen. Der Bischof nahm es dem kleinen Jungen nicht boese, auch wenn sich in den ersten Sekunden seine Augen vor Schreck der ueberraschenden Tat weiteten. Doch dann nahm er den Kleinen auf den Arm, lachte das erste Mal in unseren Raeumen und wir konnten von den beiden, dem Bischof mit dem kleinen strahlenden Jungen auf dem Arm, Fotos machen.

Abends hatte ich Glueck. Wir, die Salesianer und ich, hatten schon zu Mittag mit dem Bischof gegessen. Er sollte nun die Nacht bei uns, im Provinzhaus der Kongregation, bleiben. Somit ass er auch zu Abend mit uns. Leider mussten wir aber wieder mal lange auf ihn warten. Die Fragestunde in der Kirche zog sich von 18 Uhr Beginn bis 21.45 Uhr Ende in die Laenge. Somit, man wartet schliesslich mit dem Essen auf den Bischof, konnten wir unser Abendbrot erst tief in der Nacht zu uns nehmen. Wo war nun mein Glueck? Somit konnte ich das komplette Champions-League-Finale schauen, ohne durch ein stoerendes Abendessen unterbrochen zu werden.

 

24.5.08 16:47

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