Deutschtreffen und Nilpferdtour

 Koumassi, den 21. April 2008

Teil zwei also: 

Dann endlich durfte ich in einem wohlweichen Bett im Hotel Tantie You-you liegen. Vorher mussten wir mit der alten, ewig meckernden Dame, die uns das karge schaebige Zimmer zur Verfuegung gestellt hatte, luegend klar machen, dass wir nicht die weiteren vorgesehenen sechs Tage bei ihr bleiben koennten. Wir sagten ihr einfach: "Ach, leider muessen wir schon weiter zur unserer 'Arbeit' nach San Pedro. Wir koennen deswegen leider nicht laenger bleiben." Gekonnt geluegt, wir verabschiedeten uns, gaben vor, dass wir nun abfuhren und damit war fuer uns die Geschichte erledigt. Leider fand uns die halbe Familie der alten Dame ein paar Tage spaeter noch immer in Sassandra weilend vor dem Supermarkt. Faellt halt auf, wenn man so als einziger Weisser durch den nicht allzu grossen Ort laeuft. Also mussten wir noch einmal in die Luegetasche greifen und vorgeben, dass wir schon laengst zurueck seien von unserer "Arbeit" und uns unser imaginaerer Arbeitgeber nun das Zimmer im Tantie You-you bezahlt haette. Ich glaube, sie haben uns die Geschichte abgenommen.

Sassandra ist wirklich wunderschoen mit seinen sanften, palmenbewachsenden Huegeln, die bis in den panschenden Ozean hereinreichen. Viele Straende um Sassandra haben wirklich Robinson-Crusoe-Flair, wo keine Menschenseele ist und du allein mit der palmenreichen Landschaft schwimmen gehen kannst. Die Leute fischen noch traditionnell mit alten Holzpirocken, die sie zum Teil mit Figuren und Schriftzeichen am meernahen Fischmarkt verzieren. Touristen, vorallem weisse, gibt es aber kaum bis gar nicht. Die sind nach den Vorfaellen 2004 gefluechtet. Zur Zeiten der politischen Krise und der antifranzoesischen Stimmung haben die jungen Leute des Ortes einige franzoesische Hotels und Villen abgebrannt. Einige verfallene Haeuser kann man noch besichtigen, manche sind vom Erdboden verschwunden, alle aegern sich. Die Leute in den Restaurants, die Verkaeufer auf der Strasse, auf dem Fischmarkt fehlt das Geld. Kein Weisser gleich kein Einkommen, kein Verkauf, kein gutes Leben. Alle wuensche sich die weissen wohlhabenen Touristen zurueck.

Einen "Weissen" habe ich dann doch getroffen. Er sass vor seinem zum Karavan umgebauten Forst-LKW am weitlaufigen, menschleeren Strand Sassandras. Kurzes, erst auf franzoesisch gehaltenes, Gespraech und es stellte sich heraus: "Du bist ja deutsch!" Ein Bayer, Mathias sein Name, der schon auf diese Weise nahezu die ganze Welt bereist hat. Ein paar Jahre in Deutschland arbeiten, dann mit dem LKW eine einjaehrige Abenteuer-Tour unternehmen und ein paar Grundstuecke kaufen, umso als Touristenhaeuser profitabel zu verwalten. Er war schon im Iran, Afghanistan, Indien, Pakistan, Ostafrika und nun besucht er Westafrika. Am Tegernsee in der bayrischen Bergidyille gestartet, ueber Frankreich, Spanien, Mauretanien, Nigeria, nun in die Elfenbeinkueste gekommen. Interessanter Lebenstyle, er konnte Unmengen aufregender Geschichten erzaehlen.

Immerhin tat es mal wieder richtig gut, sich mit jemand auf Deutsch auszuquatschen. Mit ihm abends am mondbeschienen Strand bei einem Bier ueber dies und das zu plaudern, ohne zusaetzlich ueber die richtige franzoesische Satzstellung zu denken.

Am vorletzten Tag machten wir dann mit Mathias eine Tour durch das nahe Flussgewirr im noch urspuenglichen Regenwald. Kundige Kanufuehrer aus einem kleinen Dorf schipperten uns durch das naturbelassene Gruen mit seinen majaestetischen Baeumen, die wuchernden Pflanzen, die hier alle viel groesser erscheinen als in Deutschland und seiner herrlichen ruhenden Flusslandschaft des Stromes Sassandra. Unser Ziel? Der Ruheplatz der Nilpferde inmitten dieser unberuehrten Tropenlandschaft.

Angekommen schlugen die Doerfler mit ihren Pandeln auf das Kanu, dass doch die im Wasser ruhenden Nilpferde aufgeschreckt werden und sich in ihrer Gelassenheit erbarmen, mal mit ihren Koepfen aus dem Wasser zu luken, um zu sehen, wer sie denn da stoere. Vier-, fuenfmal schauten sie dann auch unter einem lauten Roehren - als wuerde ein riesiger Hirsch dort im Wasser sitzen - zu uns herueber. So richtig stoeren lassen wollten sich die Riesentiere aber an diesem Morgen nicht, zum Fotosmachen, waren sie immer wieder zu schnell im Gewaesser verschwunden. Was bleibt, ist das, was ich mit meinem eigenen Auge gesehen habe.

Froh bin ich auch, dass wir mit den beiden Kanus nicht baden gegangen sind. Immer wieder lief in die beiden kleinen Holzboote schlammiges Flusswasser. Untergehen wollte ich nicht, wurde doch am Anfang gesagt: "Bitte nicht die Hand ins Wasser halten, hier gibt es einen Fisch, der dann den Finger abbeisst." Hmmm....

Gruss aus Abidjan (wo ich nun wieder mit allen zehn Fingern bin),

Venco

21.4.08 16:15

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