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Maria Superstar

Abidjan-Koumassi, den 01. Juni 2008

Samstagabend, die Sonne steht schon etwas geneigt am Himmel, aber es ist noch bruetend heiss. Wir haben Glueck: kein Regen. In den letzten Tagen hat er uns zu oft begleitet, doch nun zur Marienprozession strahlt der Himmel im herrlichen Blau mit einigen, dem Anblick kaum stoerenden, Schleierwolken.

Marienprozession? Vorher hatte ich mir ein paar Gedanken gemacht. Wird sie so sein, wie ich sie im Film "Der Pate, zweiter Teil" gesehen hatte? Also mit lauten Fanfaren, Trompeten und droehender Musik, mit Frauen die Konfetti in die Luft werfen, mit Glaeubigen, die alle kraeftig mitsingen, mit einer grossen Marienstatue, die festlich geschmueckt, von einigen Leuten durch die Strassen getragen wird. Ehrlich gesagt, ich hoffte, es wird so sein.

Und dem, kopiegenau wie im Film, war auch so. Wir begannen unseren Weg auf dem Gelaende der Salesianischen Schwestern, dem "Village Marie Domenique" und ueber reichliche Umwege ging es ueber die Strassen zur Kirche.

Strassen mussten vorher nicht abgesperrt werden. Es sind zwar stark befahrende Fahrwege, doch die Pfadfinder der Gemeinde kuemmerten sich, dass die ankommenden Autos umgeleitet oder aufgehalten wurden. Bei der Stadtverwaltung wurde, wie in Deutschland es hoechstes Gebot waere, nicht nachgefragt. Wenn eine Marienstatue durch die Strasse gefuehrt wird, ist klar, dass sie Vorrang hat. Da muss man nicht fragen: "Duerfen wir das? Wieviel kostet das?" Es wird einfach gemacht. Basta!

Nicht nur, dass wir die Strassen blockierten, Buslinien mit ihren genervten Insassen aufhielten, Taxen nicht vorbeiliessen, nein, wenn eine Station zum Gebet gemacht wurde, dann wurde das mitten auf der Strassenkreuzung zelebriert. Damit auch gleich zwei Strassen blockiert wurden, das hat einen groesseren Effekt.

Doch wie die Glaeubigen wieder gefeierten haben, ihre schnellen, ins Ohr gehenden Lieder anstimmten, vor der Marienstatue tanzten, jubelten, starkt mitsangen, ja mitkreitschten, dass kann nur in Afrika moeglich sein. Mit einer europaeischen Prozession war das, schon allein durch die Trompeten, nicht zu vergleichen. Hier wird Kirche zum Fest.

Malaria verdirbt den Rebellenurlaub

 Abidjan-Koumassi, den 17. Juni 2008

Da hat sie mich doch noch gepackt.

Ich hatte eigentlich gedacht, die Malaria wuerde mich verschonen, doch gerade wenn man denkt, dass die Gefahr vorbei sei und man nicht mehr erkranken werde, kommt sie so ploetzlich und unverhofft. Gerade in Korogho, im Rebellengebiet, musste sie ueber mich kommen. Unpassender ging es nicht mehr.

Denn in Korogho, hoch im Norden der Côte d'Ivoire, im Bereich der bruehenden Savanne, haben noch die Rebellen das Sagen. Sie kontrollieren dort noch das Tagesgeschehen, bereichern sich an die durchfahrenen LKW-Ladungen und lassen Nachrichten aus dem Sueden kaum zu den Bewohnern des Norden durchdringen. Leider gibt es aber somit auch kaum Medikamente in der Stadt und das wurde mir  fast zum Verhaengnis. Denn ich brauchte bei 40-Grad-Fieber dringend die Praeperate gegen Malaria und es schien fast so, als waeren sie in der Stadt ausverkauft.

Ein Pater suchte fuenf Apotheken auf, die meisten waren geschlossen und die, die offen waren, hatten keine Medikamente gegen Malaria. Doch endlich die sechste hatten noch einige Packungen uebrig. Da hatte ich noch einmal Glueck gehabt.

Eigentlich wollte ich in Korogho nur das salesianische Projekt besuchen. Ich fuhr also mit einem Pater die 600 Kilometer hinauf ueber die leicht holperige, aber immerzu geteerte Strasse. Die Landschaft veraenderte sich von hochtropisch bis zur trockener Savanne, von hohen saftig gruenen Baumtuermen zu knochrigen kleinen Zitronenbaeumchen, von feuchten 28 zu heissen 38 Grad. Korogho ist aber noch immer in der Hand der Rebellen. Sie stellen dort den Buergermeister, sind dort fuer die Sicherheit zustaendig (obwohl sie sich darum nicht kuemmern und es immer wieder Ueberfaelle und Einbrueche gibt) und bauen ueberall in der Stadt grosse Haeuser - fuer sich selbstverstaendlich. Sie haben durch den Krieg gut Kasse gemacht.

Die Don-Bosco-Salesianern koennen trotz allem sehr gut leben in der Stadt. Sie sind hoch angesehen, da sie ein Gymnasium unterhalten, das einen sehr guten Ruf geniesst. Ich besuchte also in den ersten Tagen die Schule, einige Doerfer und dieser ganze Trubel, schon allein die 600-Kilometer-Anreise Abidjan-Korogho, der Klimawechsel provozierte wohl, dass ich mich am dritten Tag ziemlich elendig fuehlte. Erst dachte ich an eine kleine harmlose Grippe. Jedoch als mir abends das Fieber-Thermometer 39 Grad Koerpertemperatur anzeigte, ich kaum etwas essen konnte, war klar: Das ist Malaria!

Leider wollte die Temperatur in den naechsten Tagen nicht mehr sinken. Morgens ging es mir verhaeltnismaessig gut mit 38 Grad, doch abends wollte ich nur noch ins Bett. 40 Grad, da laesst man auch die EURO-Fussballspiele sausen.

Der Entschluss war schnell gefasst. In Korogho kann ich nicht bleiben. Das oertliche Krankenhaus hatte kaum Aerzte, die hohen Tagestemperaturen von knapp 40 Grad schadten nur meiner Gesundheit und die Apotheken verkauften kaum hilfreiche Medikamente gegen die Malaria. Also fuhr mich ein Pater aus Korogho 350 Kilometer bis in die Hauptstadt Yamoussoukro, wo ich schon von Pater Albert, der extra aus Abidjan angereist war, in Empfang genommen wurde, um die letzten 250 Kilometer in seinem Auto zurueckzulegen.

Nach dieser langen und ueberstuerzten Rueckreise ging es mir zwar in Abidjan fast noch elendiger. Doch die hiesigen Medikamente schienen anzuschlagen, das frischere Klima liess mich besser atmen und schon nach wenigen Tagen war die Malaria urploetzlich verschwunden. Abidjan hatte mich geheilt.

Nun nach knapp einer Woche ueberstuerzter Heimkehr von Korogho denke ich, dass es sehr schade war, dass ich nicht alles im Norden bedingt durch die Krankheit sehen konnte. Gerne waere ich noch den 1000 Meter hohen Berg "Mont Korogho" hochgekraxelt, doch in solchen Belangen ging die Gesundheit einfach vor.

Positiv gesehen: Auch wenn ich nicht noch einmal Malaria haben moechte, hat es einen guten Aspekt. Nun kann ich Zuhause erzaehlen, dass ich SIE gehabt habe. Nun bin ich afrikanisch getauft, wie die Patres hier sagen. Nun gehoere ich wirklich dazu - zur Gruppe der Malaria-Gehabt-Haber.

Konzert geht beinahe im Buehnensturm unter

Abidjan-Koumassi, den 24. Juni 2008

Ein Konzert fuer die Kinder. Am letzten Samstag sollte es wieder so weit sein. Ein Konzert hoert sich ja ganz nett an, doch ist mir, wenn ich diese Ankuendigung hoere, nicht ganz wohl dabei.

Das letzte Konzert war statt Vergnuegen eher eine Leidensprozedur gewesen. Um acht Uhr morgens sollte es anfangen, um elf nach diversen Raumwechseln begann es endlich. Die Kinder schliefen waehrend der Veranstaltung ein.

Nun also wieder eine Vorstellung fuer unsere Kinder. Doch meine Befuerchtungen hinsichtlich der Verspaetung loesten sich Luft aus. "Das Konzert fuer die Kinder Abidjans in schwieriger Situation" fing beinahe puenklich - mit akzeptablen 20 Minuten hinter der Zeit - an. Ein guter Beginn, doch das sollte nicht so bleiben.

Wer dieses Konzert auf die Beine stellte und warum? Es ist der Zusammenschluss aller Organisationen Abidjans, die mit Strassenkinder - abgemildert gesagt "Kinder in schwieriger Situation" - arbeiten. Nun, da die grossen viermonatigen (!) Sommerferien beginnen, sollte ein Abschlusskonzerten mit einigen halbwegs beruehmten Buehnenstars das Jahr abrunden.

Die ersten Gruppen liessen sich auch ganz nett anhoeren und jeder hatte seinen Platz, jeder Besucher, ob klein oder gross wie ich, bekamen ein rotes T-Shirt, das in grosses Lettern gegen die Anwerbung von Kindersoldaten warb. Ich hatte gedacht, dass meine Befuerchtungen sinnlos waren und ich mit den Kindern einen passablen Nachmittag verbringen wuerde.

Nichts da! Denn, wenn schon das Konzert puenktlich beginnt, muessen eben die Zuschauer sehr unpuenklich sein, um das afrikanische Klischee vom "Dauerzuspaetsein" zu bestaetigen. Somit kamen einige Gruppen eine schoene Stunde zu spaet und fanden keinen Platz mehr. Aber die Kinder setzten sich einfach auf den Boden vor der Buehne, doch irgendwann bot auch der Boden keinen Platz mehr. Es wurde unruhig in der Menge.

Irgendwann, in der Mitte des Konzertes, wurde dann DJ Bonbon angesagt. DJ Bonbon? Wieso traegt der denn diesen Namen? Die Antwort kam zugleich: Als er zu seinem Playback-Song seinen Mund oeffnete, um so zu tun, als saenge er, steckte er seine Hand in die grosse Manteltasche und brachte viele bunte Bonbons heraus, die er in die Luft warf. Das zog dummerweise aber die Kinder an, wie ein Magnet das Eisen. Viele, viele Kinder - zum Glueck nicht die Unsrigen - rannten auf die Buehne und haetten beinahe den "Star" unter sich begruben. Die Playback-Musik musste abgestellt werden, die Kinder wurden von der Buehne verscheucht, durch die Moderatorin belehrt. DJ Bonbon begann von Neuem - diesmal ohne Bonbon-Regen.

Die Kinder liessen sich aber von der Belehrung der Moderatorin nicht beruhigen. Als ein vermeintlich grosser Star - ich kenne ihn natuerlich nicht, aber alle anderen pflippten aus - seinen Chanson zum Besten gab, rannten die Kinder - Gott sei Dank, mal wieder nicht unsere - auf die Buehne. Die Musik wurde wiederum abgestellt, doch es war schon zu spaet.

Die Kinderhorde hatte schon die Dekoration, die aus bunten Luftballons und Schleifen bestand, von der Wand und der Buehne gerissen und erfreuten sich lautstark ueber ihre Beute.

Lange dauerte es, bis die wilde Kindermenge beruhigt, ermahnt wurde, auf ihren Plaetzen zu bleiben, egal was auf der Buehne geschehe oder wer sie betrete. Wenn dieses noch einmal passiere, so wurde hinzugefuegt, muesse das Konzert - "Das wir fuer euch vorbereitet haben!" - abgebrochen werden.

Das kam an. Die letzten Lieder wurden nun ohne Geschrei und wilde Turbulenzen entgegengenommen, so dass das Konzert ruhig und ohne Dekoration zu Ende gehen konnte.

Fussballabend à la Africana

Abidjan-Koumassi, den 26. Juni 2008 

Gestern, Halbfinale, Deutschland spielt. Das darf ich mir natuerlich nicht entgehen lassen - auch wenn zurzeit in Afrika weile. Jedoch ist es einfach gesagt, als getan.

Denn weder im Kinderheim noch im Haus der Salesianer haben wir den franzoesischen Bezahlsender "canal", der sich fuer die Côte d'Ivoire die Rechte gesichert hatte. Bisher aber kein Problem, ich besuchte immer einen Freund, der sich unerlaubt an irgendeine Uebertragungsschuessel gehaengt hat und ohne Kosten das Programm von "canal" geniesst - inklusive laufender Europameisterschaft.

Nun war ich gestern Abend auch wieder bei ihm. Alles schien bestens zu laufen. Aber er erzaehlte mir, dass es am Morgen noch duester auf dem Fernsehbildschirm ausgesehen habe. Der Besitzer der gekaperten Schuessel hatte wohl ein bisschen an seinem Eigentum geschraubt. Seitdem gab es Probleme mit der Uebertragung. "Heute Morgen war der Sender verschwunden", sagte mein Freund zu mir, um mich gleichzeitig zu beruhigen, "Aber seit einer Stunde laeuft es einwandfrei. Ich glaube, das passiert nicht noch einmal."

Zehn Minuten waren vergangen, dass er dies gesagt hatte und schwupps - der Fernseher wechselte um zum Programm der schwarzen Ameisen auf weissem Grund. Das heisst: Der an diesem Abend zu wichtige Sender "canal" war verschwunden. Und kam nicht mehr wieder. Nicht nach zehn Minuten, nicht nach zwanzig Minuten und auch nicht fuenf Minuetchen vor Spielbeginn.

Panik!

Was machen? Mein Freund rief einen alten Schulkollegen an. "Bis du zu Hause?" Die Antwort: "Nein, ich arbeite noch." Ah, noch mehr Panik! "Ist es dringend?", so die Nachfrage des Freundes meines Freundes. Zum Glueck hat er diese Frage gestellt, so konnte mein Fussballgenosse seinem Bekannten das Problem erklaeren und dieser sagt uns zu, dass wir gerne vorbeikommen koennten. Seine Frau waere daheim.

Puh, Glueck gehabt!

Nun schnell ein Taxi. Aber was ist das? Alle Taxen voll besetzt. Rushhour, es ist 18 Uhr (Bevor dumme Frage aufkommen, bedenkt die Zeitverschiebung!), jedermann moechte nach Hause. Also schauten wir vollbesetzten Taxen nach, warteten, warteten, warteten, bis endlich, nach etwa zehn Minuten ein leeres Gefaehrt vor unsrer Nase anhielt.

Der Taxifahrer selber hoerte auch das Fussballspiel, das natuerlich schon laengst begonnen hatte. "Tuerkei im Vorwaertsgang", so die beiden plappernen Franzosen am Mikrofon, "Oh, la, la, knapp am deutschen Tor vorbei." Gemeinsames Durchatmen im Taxi.

Leider hielt das Durchatmen nicht lange an. Ich hatte gesagt Ruschhour. Was gehoert dazu? Stau, zaehfliessender Verkehr. Vor allem an den Kreuzungen versuchten Hilfspolizisten die von allen Seiten draengenden Autos aufzuhalten. Es dauerte wieder mal, wir kamen kaum unserem Ziel naeher und im Radio musste ich mitanhoeren, wie die Tuerkei das Spiel in die Hand nahm.

Da daemmerte mir ein Gedanken: Ein Spiel unserer Jungs hatte ich wegen der Malaria-Krankheit bei der EURO nicht gesehen. Die Begegnung gegen Kroatien und was kam dabei heraus. Unsere Elf hatte verloren. Sollte ich heute verhindert sein, das Halbfinale zu schauen, so brummte es in meinem Kopf, wuerde Deutschland dann verlieren? Nein, das wollte ich nicht, ich musste zum Fernseher.

Nach einer Viertel Stunde fuer ein, zwei Kilometer, waren wir endlich da. Wir traten in das Haus ein, gruessten nett und bewegten uns zum Fernseher. Wir schalteten an und: "Toooor, Tor fuer die Tuerkei. Das anatolische Wunder geht weiter", die franzoesischen Kommentatoren begeisterten sich gerade, dass ihr grosser Nachbar im Inbegriff war, zu verlieren. Na, toller Anfang. Aber nun bin ich ja da, so kann unsere Elf nur gewinnen.

Der Spielverlauf ist bekannt, leider konnte ich das wichtige Ende samt den beiden letzten Toren nicht mehr mitverfolgen. Mal wieder Uebertragungsprobleme in den letzten Minuten. Doch diesmal nicht wegen der haeuslichen Schuessel. Nun war es der hoch geschaetzte Sender "canal" selbst, der uns auf blauen Grund in grosse Lettern praesentierte: "Entschuldigen Sie diese kleine Bildstoerung. Gleich geht es weiter mit dem Spiel Deutschland - Tuerkei."

Das stimmte nicht ganz. Ich sah nur noch die deutsche Freude und Ausgelassenheit auf der Tribuene - einige Minuten nach dem Abpfiff.

Ansonsten war es ein schoener Fussballabend.

Das private EM-Duell: Ich gegen die spanische Mehrheit

 Abidjan-Koumassi, 29. Juni 2008

Der Haussegen haengt nicht schief. Wir nehmen es amuesant. Trotzdem steht einiges auf dem Spiel. Wer wird heute Abend Recht behalten duerfen?

Ich, der vehement Deutschland vertritt und heute nach Abpfiff sehen moechte, wie Ballack - ob verletzt oder kerngesund - den EURO-Pokal in die Hoehe stemmt. Oder - ich hoffe, Gott erspart es mir - sollten sich doch die spanischen Salesianer nach Spielende erfreuen duerfen und ihren Finalsieg gegen die deutsche Elf und letztlich meinerseits feieren duerfen.

Welche eine Blamage fuer mich? Ich hoffe, sie bleibt mir erspart.

Juan-Carlos, der spanische Direktor unseres Hauses, meint, Spanien werde verlieren. Doch sein Pessimismus birgt Fatales. Die gleichen Aeusserungen gab er ebenso von sich, als Spanien gegen Italien und Russland spielte. Bekanntlich hatte unser Direktor stets Unrecht. Heute Abend auch?

Ich hoffe, dieses eine Mal tippt er richtig....

Spott und Haeme fuer mich und die Elf

Abidjan-Koumassi, den 30. Juni 2008

Gestern war ein trister Tag. Schon als ich aufstand zogen die grauen Wolken tief ueber Abidjan, es regnete den ganzen Tag. Passend zum miesen Wetter gesellte sich am Abend das Ergebnis des Finalspieles aus Wien hinzu. 1:0, von der deutschen Elf spielerisch kaum Aktionen zu sehen.

Die hiesigen Zeitungen, das nationale Fernsehen gehen noch liebevoll mit der deutschen Mannschaft um. Sie konzentrieren sich eher auf die spanische Staerke, diese fussballerische Uebermacht von gestern Abend. Unsere Elf wird nur als muede, ideenlos, ja geschlagen bezeichnet.

Doch die Haeme kommt aus einer ganz anderen Richtung. Und nun stelle ich mir die Frage: Warum muss ich denn nur mit spanischen Patres in Abidjan zusammenleben?

Die Haeme musste ich schon gestern, nach Spielschluss, ueber mich ergehen lassen. Aber ehrlich gesagt, nehmen wir es wie ein Spiel. Vor dem Finale meinte jeder, er koenne gewinnen (ausser Juan-Carlos mit seinem "hinterlistigen" Pessismus, den er schon zuvor gegen die Italiener und Russen erfolgreich angewandt hatte: "Wir koennen nie und nimmer gegen die Deutschen gewinnen". Nun ist es klar, dass die Spanier in ihrer Siegesfreude ueber meine Elf herziehen.

Bereits heute Mittag wurde mir der Bericht aus der Zeitung am Tisch laut vorgelesen, Pater Jesus wiederholte die kritischen Stellen ueber die deutsche Mannschaft - "ideenlos", "physisch wie moralisch in die letzten 30. Minuten besiegt", "stellenweise ueberfordert". Da muss ich nun durch. Ich haette doch das Gleiche getan, haette unsere Nationalmannschaft in der gestrige Weise der Spanier gewonnen. Haette, waere, koennte...

Die spanischen Patres feiern mit ihren Champions, ich leide mit den Finalverlierern. Doch bei aller Haeme wissen wir, dass es nicht ganz ernst gemeint ist.


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