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Ein wenig Urlaub, Neues sehen...

 Koumassi, 19. April 2008 

Wieder da!!! 

Nun bin ich wieder hier, in Abidjan. Die Woche in Sassandra und San Pedro, den beiden Strandorten an der Westkueste der Côte d'Ivoire, habe ich wahrlich genossen. In meinem Reisefuehrer "Lonely Planet", den ich vor meinem Aufenthalt in der Elfenbeinkueste gekauft habe, steht: In Sassandra und weiter westlich der Stadt findest du die schoensten Straende Westafrikas, die sich beruhigend, traumhaft und einsam wie ein Band am rauschenden Atlantischen Ozean entlangziehen. So war es denn auch: Beruhigend, einsam, einfach traumhaft.

Doch um erst einmal dort hin zu gelangen, werden die deutschen Geduldsnerven ueberstrapaziert. Klar, ich bin ja auch mit einem afrikanischen Kleinbus zu meinem kleinen Erholungsort gereist. Da muss man Geduld beweisen und sich nichts anmerken lassen, wenn die notorische, aber nie boese gemeinte afrikanische Unpuenktlichkeit zuschlaegt. Mein Tagesplan am Anreisetag:

 9.00 Uhr:         eigentliche Abreisezeit, ich bin startbereit,warte auf Martial

10.00 Uhr:         Martial noch immer nicht da, bei Anruf, nimmt keiner ab

11.20 Uhr:            Nun wird es Zeit, ich fahre zu ihm hin. Finde ihn vor, er hat seine Sachen noch laengst nicht gepackt. War lieber heute morgen in der Schule. Er haette mich ja benachrichtigen koennen....

13.00 Uhr:            Endlich an der Abfahrtsstelle des Busse. 13 Uhr soll es nach Fahrplan eigentlich losgehen. Klar, dass der Termin nicht eingehalten wird.

15.00 Uhr:          Bus ist da, aber man wartet lieber, bis alle Plaetze verkauft und besetzt sind. Das dauert lange!

17.20 Uhr:          Endlich geht es los. Der klapprige Kleinbus ist proppenvoll. Nun muss noch getankt werden, ein paar Runden durch Abidjan gedreht werden und endlich befinden wir uns auf der ueber 200 Kilometer langen Routen Richtung Sassandra

20.00 Uhr:          Wir sind noch nicht da, die Militaerkontrollen, die aber nicht so zahlreich, wie vorher gedacht, sind, halten uns auf.

22.30 Uhr:           Endlich in Sassandra angekommen, doch nun beginnt ein neues Problem. Ich hatte es im Vorfeld schon befuerchtet, aber im Bus gebetet, dass es nicht eintritt.

Denn eigentlich war fest vorgesehen, dass wir bei einer Freundin von Martial schlafen. Ich hatte ihn in den Wochen zuvor mehrmals gefragt, ob sie nun zugesagt und ein Bett fuer uns uebrig haette. Und Martial bejahte immer. "Klar, kein Problem!" Als wir nun endlich spaet in der Nacht in Sassandra ankamen, hatte seine Freundin ploetzlich nur noch ein kleines Zimmer fuer sich selbst und kein Bett fuer uns zwei Angereisten uebrig. Anders gesagt: Wir standen auf der Strasse, die Freundin wollten uns nicht zu sich hereinlassen, weil sie schon geschlafen hatte und wir sie nicht in diesem Aufzug sehen sollten; fuer diese Nacht hatten wir erst einmal kein Schlafplatz.

Denn: Alle Hotels waren dummerweise just in dieser Nacht komplett ausgebucht. Was nun? Ich setzte mich vor ein Hotel und liess Martial die Arbeit uebernehmen. Mit der schweren Reisetasche durch halb Sassandra zu rennen und um ein kleines Zimmer zu flehen, war mir nun zu doof geworden. Da unterhielt ich mich lieber mit dem Waechter des letzten verbliebenen, aber denn leider auch ausgebuchten Hotel, dem Tantie Youyou.

Zum Glueck hatte dann Martial nach knapp einer Stunde doch noch eine Bleibe fuer die Nacht gefunden. Ein schaebiges Zimmer mit durchgedruecktem Bett bei einer meckernden alten Dame, mit der wir erst einmal stundenlang den Preis aushandeln mussten. "Du bist weiss, du zahlst mehr." Aber, hallo! Was ist das denn fuer eine Diskriminierung. Immerhin hatten wir ein Dach ueber'm Kopf gefunden. In der Nacht, als ich die kaputtgedrueckten Lattenroste unseres sandigen Bettes in meinem Ruecke spuerte, machte ich mit mir dennoch aus: Morgen werden wirst du dir ein vernuenftiges Hotel suchen, Markus. Das Hotel Tantie Youyou hat mir gut gefallen und, fuer deutsche Verhaeltnisse, spottbillig.

Doch ueber die weiteren Geschichten, die Entdeckung der verfallenen, teils abgebrannten Franzosenvillen und -hotels in und um Sassandra, die Begegnung mit einem hochinteressanten Afrikareisenden aus der deutschen Heimat und die Hippo-Guck-Tour im tiefen Regenwald berichte ich morgen. Nun warten die Kinder, die Arbeit geht weiter....

Auf morgen,

 (wenn denn der Computer funktioniert, ich Zeit habe und er nicht nicht von irgendjemand anderen benutzt wird)

Venco

 

 

 

Deutschtreffen und Nilpferdtour

 Koumassi, den 21. April 2008

Teil zwei also: 

Dann endlich durfte ich in einem wohlweichen Bett im Hotel Tantie You-you liegen. Vorher mussten wir mit der alten, ewig meckernden Dame, die uns das karge schaebige Zimmer zur Verfuegung gestellt hatte, luegend klar machen, dass wir nicht die weiteren vorgesehenen sechs Tage bei ihr bleiben koennten. Wir sagten ihr einfach: "Ach, leider muessen wir schon weiter zur unserer 'Arbeit' nach San Pedro. Wir koennen deswegen leider nicht laenger bleiben." Gekonnt geluegt, wir verabschiedeten uns, gaben vor, dass wir nun abfuhren und damit war fuer uns die Geschichte erledigt. Leider fand uns die halbe Familie der alten Dame ein paar Tage spaeter noch immer in Sassandra weilend vor dem Supermarkt. Faellt halt auf, wenn man so als einziger Weisser durch den nicht allzu grossen Ort laeuft. Also mussten wir noch einmal in die Luegetasche greifen und vorgeben, dass wir schon laengst zurueck seien von unserer "Arbeit" und uns unser imaginaerer Arbeitgeber nun das Zimmer im Tantie You-you bezahlt haette. Ich glaube, sie haben uns die Geschichte abgenommen.

Sassandra ist wirklich wunderschoen mit seinen sanften, palmenbewachsenden Huegeln, die bis in den panschenden Ozean hereinreichen. Viele Straende um Sassandra haben wirklich Robinson-Crusoe-Flair, wo keine Menschenseele ist und du allein mit der palmenreichen Landschaft schwimmen gehen kannst. Die Leute fischen noch traditionnell mit alten Holzpirocken, die sie zum Teil mit Figuren und Schriftzeichen am meernahen Fischmarkt verzieren. Touristen, vorallem weisse, gibt es aber kaum bis gar nicht. Die sind nach den Vorfaellen 2004 gefluechtet. Zur Zeiten der politischen Krise und der antifranzoesischen Stimmung haben die jungen Leute des Ortes einige franzoesische Hotels und Villen abgebrannt. Einige verfallene Haeuser kann man noch besichtigen, manche sind vom Erdboden verschwunden, alle aegern sich. Die Leute in den Restaurants, die Verkaeufer auf der Strasse, auf dem Fischmarkt fehlt das Geld. Kein Weisser gleich kein Einkommen, kein Verkauf, kein gutes Leben. Alle wuensche sich die weissen wohlhabenen Touristen zurueck.

Einen "Weissen" habe ich dann doch getroffen. Er sass vor seinem zum Karavan umgebauten Forst-LKW am weitlaufigen, menschleeren Strand Sassandras. Kurzes, erst auf franzoesisch gehaltenes, Gespraech und es stellte sich heraus: "Du bist ja deutsch!" Ein Bayer, Mathias sein Name, der schon auf diese Weise nahezu die ganze Welt bereist hat. Ein paar Jahre in Deutschland arbeiten, dann mit dem LKW eine einjaehrige Abenteuer-Tour unternehmen und ein paar Grundstuecke kaufen, umso als Touristenhaeuser profitabel zu verwalten. Er war schon im Iran, Afghanistan, Indien, Pakistan, Ostafrika und nun besucht er Westafrika. Am Tegernsee in der bayrischen Bergidyille gestartet, ueber Frankreich, Spanien, Mauretanien, Nigeria, nun in die Elfenbeinkueste gekommen. Interessanter Lebenstyle, er konnte Unmengen aufregender Geschichten erzaehlen.

Immerhin tat es mal wieder richtig gut, sich mit jemand auf Deutsch auszuquatschen. Mit ihm abends am mondbeschienen Strand bei einem Bier ueber dies und das zu plaudern, ohne zusaetzlich ueber die richtige franzoesische Satzstellung zu denken.

Am vorletzten Tag machten wir dann mit Mathias eine Tour durch das nahe Flussgewirr im noch urspuenglichen Regenwald. Kundige Kanufuehrer aus einem kleinen Dorf schipperten uns durch das naturbelassene Gruen mit seinen majaestetischen Baeumen, die wuchernden Pflanzen, die hier alle viel groesser erscheinen als in Deutschland und seiner herrlichen ruhenden Flusslandschaft des Stromes Sassandra. Unser Ziel? Der Ruheplatz der Nilpferde inmitten dieser unberuehrten Tropenlandschaft.

Angekommen schlugen die Doerfler mit ihren Pandeln auf das Kanu, dass doch die im Wasser ruhenden Nilpferde aufgeschreckt werden und sich in ihrer Gelassenheit erbarmen, mal mit ihren Koepfen aus dem Wasser zu luken, um zu sehen, wer sie denn da stoere. Vier-, fuenfmal schauten sie dann auch unter einem lauten Roehren - als wuerde ein riesiger Hirsch dort im Wasser sitzen - zu uns herueber. So richtig stoeren lassen wollten sich die Riesentiere aber an diesem Morgen nicht, zum Fotosmachen, waren sie immer wieder zu schnell im Gewaesser verschwunden. Was bleibt, ist das, was ich mit meinem eigenen Auge gesehen habe.

Froh bin ich auch, dass wir mit den beiden Kanus nicht baden gegangen sind. Immer wieder lief in die beiden kleinen Holzboote schlammiges Flusswasser. Untergehen wollte ich nicht, wurde doch am Anfang gesagt: "Bitte nicht die Hand ins Wasser halten, hier gibt es einen Fisch, der dann den Finger abbeisst." Hmmm....

Gruss aus Abidjan (wo ich nun wieder mit allen zehn Fingern bin),

Venco


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