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Erster Eintrag

Lette, 08. September 2007

 Ja, liebe "Afrikainteressierte", nun sind es nur noch ein paar Tage, bis ich in Richtung Abidjan aufbreche.

Doch ganz weg bin ich ja doch nicht. Denn hier auf dieser Seite könnt anhand meiner Einträge lesen, was ich so Tolles auf der anderen Seite der Welt erlebe. Also haltet euch über mich auf dem Laufenden! Ich werde euch mit Sicherheit ein paar interessante Geschichten liefern können...

Ich hoffe aber nun erst einmal, dass ich mich in Abidjan gut einlebe und gut aufgenommen werde in der Salesianer-Gemeinschaft. Es ist schon äußerst spannend, wenn man nicht in etwa weiß, was da auf Einen zukommt. Und dann ist noch alles Neue bald auf französisch. Aber, Gott sei Dank, weiß ich nun, dass mich die Salesianer j am Flughafen in Abidjan erwarten. Das ist schon einmal beruhigend... fürs Erste.

Aber zuerst geht es ja am Mittwochabend in Richtung Dubai. 26 Stunden Dubai sehen. Das wird bestimmt ein krasser Gegensatz: Zuerst das reiche Dubai mit seinen Protzbauten und dann das ärmere Abidjan mit seinen Slums. Kulturschock pur!

 Ich freu mich schon auf das bevorstehende Abenteuer! Seid gespannt auf den Erlebnisbericht aus Dubai!

Demnächst nur hier im neuen Venco-Blog. Das darf man nicht verpassen.

Scheichs, Ramadan und hinterm Vorhang essen

Dubai, 13. September 2007
 
Hallo zusammen,
 
einfach nur sehenswerte diese Stadt. Auch wenn sie nur zurzeit auf Sparflamme laeuft, sobald die Sonne aufgeht. Denn fuer die Muslieme ist nun der Fastenmonat Ramadan angebrauchen. Das heisst bis Sonnenuntergang um 18.30 Uhr nichts essen, trinken und nicht rauchen. Somit haben auch viele Eisdielen und Restaurants nun ueber Tag geschlossen. Wirklich doof, dass der Ramadan genau an dem Tag beginnen muss, wenn ich ins Land einreise.
 
Aber die Geschaeftsleute haben eine gute Loesung gefunden, den vielen Touristen doch noch ihr Mittagessen zu servieren. Als ich heute im Riesenkaufhaus unter der Dubai-Skihalle etwas essen wollte, musste ich durch einen grossen schwarzen Vorhang hindurchgleiten. Die  grossen Restaurants dort sind naemlich mit Vorhaengen umhuellt, so dass wir Touris nicht die Muslime mit unserem Geschmatze veraergern und zum Fastenbrechen anstacheln.  Dafuer war die Pommes und der Hamburger hinter dem Vorhang richtig lecker.
 
Leider kam ich aber nicht in das Sieben-Sterne-Hotel rein (hatte ich mir aber schon gedacht). Wer die 400 Meter lange Bruecke zum Burji al Arab entlang gehen moechte und dann noch vorhat, ins hochheilige Hotel eintreten zu duerfen, der braucht leider eine Reservierung und muss Anzugshose, schicke Schuhe und ein Hemd tragen. Dafuer habe ich mich mit dem Sicherheitspersonal vor dem Hotel ganz nett unterhalten und habe mich in zwei andere sehr nette 5-Sterne-Hotels reingeschmuggelt (Kempenski und Jumeirah Beach). Insgesamt sind alle Leute in Dubai sowieso total nett - die Taxifahrer, mit den man gemeinsam das neue 800 Meter hohe Protzbauwerk Burji Dubai fotografiert, die Leute in meinem Hotel oder die Leute in den Laeden.
 
Vorallem in dem grossen Kaufhaus unter der Skihalle. Dort gibt es soooo viele Laeden, Boutiquen, Supermaerkte und Restaurants. Wahnsinn! Und dann noch so viel Mamor, Granit und feine Ledersessel. Und unversehends, an nichts denkend, wird die leise schillerende Musik im Kaufhaus abgedreht und der Moscheemann stimmt seinen 10-minuetigen  Gebetsgesang zum Ramadan durch die Lautsprecher an. Natuerlich aus der kaufhauseigenen Moschee.   
 
Nun muss ich aber ins Bett! Ich muss ja morgen frueh meinen Flug nach Abidjan erwischen. Und dann geht es erst richtig los. Ich bin mal gespannt, was mich dort erwartet. Dann wird es auch die Fotos aus Dubai geben - ich hatte noch keine Lust, die hochzuladen.
 
Gruss aus Dubai,
 Scheich Al-Venco 

Unordnung, Sprachprobleme und ein begriffstutziger Polizist

Abidjan-Koumassi, 15. September 2007

Endlich, endlich habe ich einen halbwegs schnellen Computer gefunden - hier im Buero eines jungen, afrikansche Salesianers mit dem schoenen Namen Wilfried. Aber ich kaempfe noch mt total buchstabenverdrehten franzoesischen Tastatur. Das Zehnfinger-System ist fuer die Katz.

Ein bisschen schwierig ist auch die Verstaendigung mit den Leuten hier. Aber das war zu erwarten. Ein bisschen komisch, wenn ich sagen kann, was mir in Deutsch oder auch Englisch durch den Kopf geht. Heute morgen zum Beispiel gab es unter den Aufpassern hier im Jugendzentrum eine zweistuendige Diskussionsrunde... und ich habe nur wenig davon verstanden. Das kann dann mitunter sehr langweilig werden. Aber dann habe ich mir die Situtation genau beobachtet und mir ist aufgefallen: ich sitze ja mit elf ivorischen, farbigen, franzoesischsprechenden Leuten an einem Tisch, der mitten in Abidjan in Afrika steht. Dann war das schon wieder alles aeusserst aufregend!

Aber ich lebe hier ganz komfortabel: Besser, als ich mir das vorgestellt hatte. Die Salesianer haben hier vier grosse Haeuser: ihr eigenes Haus (wo ich esse, aber nicht schlafe), eine Maedchenschule (wo die salesianischen Frauen das Sagen haben), ein Jugendzentrum mit Fussballplaetzen (wo ich hauptsaechlich arbeiten werde) und ein Kinderheim (wo ich meine Bleibe gefunden habe).

Und das Zimmer ist bei weitem nicht schlecht: ich habe eine eigene schlechte aber europaeische Toilette mit ein bisschen Toilettenpapie, ein grosses Bett mit steinhartem Kissen und eine Dusche mit ein wenig Wasser. Ich kann mich also nicht beschweren.

Probleme gab es nur am Flughafen. Nach einem nahezu elfstuendigen Flug von Dubai ueber Accra nach Abidjan wurde ich nach der obligatorischen Passkontrolle am Flughafen von einem afrikanischen Mann total unfreundlich aufgefordert, meinen Pass erneut zu zeigen. Ich habe sofort gedacht, der wollte mir den Pass stehlen, weil er nur mich ausgesucht hatte. Natuerlich, so musste es kommen, akzeptierte er mein Visum nicht und forderte mich laut auf, in sein Buero zu folgen.

Gott sein dank, sass in diesem Buero noch sein Kollege, der meine Erklaerung akzeptierte, dass ich fuer Don Bosco arbeiten werde. Nun hatte auch der unfreundliche Passklauer verstanden und war unversehends total freundlich: Oh, herzlich Willkommen in der Cote d'Ivoire. Viel Spass hier. Entschuldigun, brabbelte er und ich konnte gehen. Erst, als alles geklaert war, zeigte er mir seinen Polizeiausweis: er war ein Zivilpolizist.

Als ich dann aus dem Flughafen-Gebaeude ging, erwarteten mich auch schon die Salesianer. Nun bin hier mitten in Abidjan, mitten in Afrika. Und: es ist gar nicht so schlecht!

Gruss,

Venco

Eine Hochzeit, ein Franzikanerparadies und viel Dreck

Koumassi, 28. September 2007 

Hm, nun lebe ich genau zwei Wochen in der Elfenbeinküste. Und diese Zeit ist keineswegs langsam vorbeigegangen. Denn es geht mir noch sehr gut und ich hoffe, dass wird auch so bleiben.

 


Aber ich habe auch gar keine Zeit, mir Gedanken zu machen, ob es mir nun hier gut oder schlecht gehe. Denn jeden Tag passiert etwas Neues und Aufregendes. Letzten Samstag zum Beispiel habe ich eine deutsch-afrikanische Hochzeit besucht. Natürlich wurde dort viel getanzt und alle ivorischen Besucher waren beeindruckt, dass auch die Deutschen ein bisschen Rhythmusgefühl haben. Leider (oder vielleicht Gott sei Dank, war ja umso aufregender) waren „die Deutschen“ an diesem Abend nicht so zahlreich: der Ehemann und meine Wenigkeit kamen aus Deutschland. Der Rest der dreihundert Gäste waren Afrikaner.

 

Aber wir beiden Deutschen haben gut mitgetanzt zu dem Lieblingslied aller Ivorer „fatiguée, fatiguée“ und wurden tausendmal beglückwünscht, dass wir mit den schnellen und schwungvollen Tanzeinlagen und Hüftschwüngen der Ivorer mithalten konnten.

 

Vielleicht sollte ich nun mal klären, warum ich bei dieser Hochzeit eingeladen war. Einerseits weil ich bereits einen guten ivorischen Freund gefunden habe und andererseits weil ich die deutsche Staatsbürgerschaft besitze. Ich bin ja richtig froh, dass ich Martial hier in Koumassi habe, der mir in den ersten Tagen die Stadt gezeigt hat und der mich auch zu seiner Bekannten Felicite geführt hat, die am Samstag geheiratet hat. Auf einmal wollte sie unbedingt, dass ich mit Martial unbedingt zu der Hochzeit mitkomme, da ihr Mann doch kaum französisch spreche und er ohne mich der einzige Deutsche auf seiner eigenen Hochzeitsfete seien würde. Da sagt man natürlich nicht nein. Ich brauchte zwar noch eine Anzugshose und ein Hemd, aber die kosteten hier nur umgerechnet 20 Euro zusammen und sind von bester Qualität. Wenn man Lust hätten, könnte man sich hier gleich neu einkleiden. Alles ist erwartungsgemäß einen großen Batzen günstiger als in Europa.

 

Die Hochzeit an dem Abend war sehr beeindruckend - viel lockerer als in Deutschland. Als zweiter Weißer fiel ich natürlich auf und urplötzlich kam Martial auf die in seinen Augen geniale Idee, ich sollte auch eine kleine Hochzeitsrede für das Paar halten. Für mich ein bisschen überraschend, aber ich bin ja froh, dass ich die paar improvisierten Worte in meiner Heimatsprache aussprechen durfte. Eine spontane Rede auf Französisch wäre wohl zum lustigen Desaster für das französischsprachige Publikum geworden. Aber so war vor allem der deutsche Ehemann froh, auch mal eine deutsche Rede zu hören. Überraschend schnell ging die Party für meinen Geschmack zu Ende: schon um acht Uhr waren fast alles Gäste wieder zu Hause. In Afrika tanzt man halt nicht bis in die Morgenstunden.

 

Wie ich es mir schon vorab in Deutschland gedacht habe, fällt man als Weißer hier ständig auf. Das kann bisweilen ein bisschen nervig werden. Wenn ich meine paar Meter zum Essen im Provinzhaus der Salesianer abschreite, hupen oft die Taxifahrer oder rufen aus dem Fenster, ob ich nicht lieber ein Taxi nehmen möchte. Hallo, dass sind nur hundert Meter! Aber ich bin wohl in ganz Abidjan der einzige Weiße, der zu Fuß durch die Stadt geht. „Die Weißen“ sitzen eigentlich nur in ihren Autos. Weil das viel komfortabler und sicherer ist. Deswegen werde ich, wenn ich wieder mit Martial durch die staubigen Gassen gehe, oft angesprochen, was ich denn hier als „Weißer“ mache, wie es dem „Weißen“ denn gehe in der Côte d’Ivoire und ob der „Weißer“ nicht dies und das kaufen möchte. Besonders auf den großen Märkten muss man ein bisschen aufpassen, dass einem nicht das Hab und Gut aus der   Hosentaschen genommen wird. Ich habe ja eine weiße Hautfarbe und somit muss ich auch ein dickes Portemonnaie haben – so jedenfalls die Denkweise der Ivorer.

 

Aber mit Martial an meiner Seite werde ich jedenfalls hier im Bezirk Remblais von Koumassi weithin akzeptierte, weil die Leute sehen, dass ich einen „Schwarzen“ kenne und somit kein naiver Tourist sein kann. Zudem kennen nun zahlreicher Leute hier meine Arbeit und wissen mein Engagement zu schätzen. Ein Europäer, der hier im Kinderheim und dem Jugendzentrum aushilft. Das ist hier eine Premiere. Ich bin der erste „weiße“ Volontär und deswegen müssen sich besonders die Kinder an den „neuen Menschen“, also mich, gewöhnen. Besonders meine Haare sind begehrenswert. Sie sind nicht schwarz und viel weicher, als die afrikanischen. Daher möchten die Kinder oft meine Haare anfassen sie streicheln, als wäre ich eine Katze.

 

Mein Französisch verbessert sich auch jeden Tag. Ich bin selber von mir überrascht, wie leicht und selbstverständlich, mir die eigentlich fremde Sprache über die Lippen geht. Nun kann ich mich mittlerweile schon halbwegs normal mit den Kindern unterhalten oder mich ebenso Leiterrunden einbringen.

 

Also so langsam habe ich mir hier gut eingelebt. Auch an den Dreck, den vielen Smog und den Gestank habe ich mich langsam, aber sicher gewöhnt. Allmählich sehe ich die zerrissenen Kleidungsstücke, Plastikbecher und Dosen nicht mehr, die nur auf den wenigen Metern hin zum Provinzhaus der Salesianer liegen. Hier ist es normal, dass ein kleiner Fluss mit Müll vollgestopft wird und sein Wasser schon die Farbe schwarz angenommen hat. Aber die Leute haben hier oft keine andere Möglichkeit, ihren Unrat zu entsorgen. Müllabfuhr? Quatsch, so etwas gibt es in diesem Stadtteil nicht. Seinen Abfall muss der Hausherr selber zur Deponie bringen. So einfach ist das!

 

Umso schöner war deswegen der Ausflug zu den Franziskaner nahe des Atlantischen Ozeans. Sie haben im Gegensatz zu dem salesianischen Projekt einen schönes grünes, paradiesisches Areal mit vielen Palmen und Zugang zum Wasser. Also denkt nicht die vielen Fotos mit den Palmen hätte ich in meinem Projekt aufgenommen. Nein, hier sieht es anders aus, dann ich lebe mitten in einer staubigen, lauten und total unübersichtlichen Stadt.

 

Doch jeden Tag mehr gewöhne ich mich an manche Widrigkeiten, dass das neue Leben hier mit sich bringt. Schlüsseldicke Käfer und eine Ameisenarmee im Zimmer, Stromausfall und eine Dusche ohne Wasser, mittlerweile nur noch ein kleines Problem. Das ist Afrika, das ist die Côte d’Ivoire. Ich bin unendlich froh, hier sein zu dürfen. Denn es ist etwas Anderes, es ist einfach spannend!

 

P. S.: Danke fuer die vielen Glueckwuensche im Gaestebuch. Und das Problem mit den Fotos ist nun endlich, endlich bereinigt.

SIE SIND DA!!!


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